Siehe auch: Bebauungsplan 2 ...

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Das Phantom der Messestadt

Tatsächlich scheint hier in der Messestadt, irgend jemand Sachen zu erzählen, die gar nicht wahr sind.

von Uwe Knietsch


„Du kannst Mitplanen und Mitbestimmen.“
„Gleich nach Deinem Einzug eröffnet hier, bis zur Fertigstellung des Einkaufszentrums, ein provisorischer Supermarkt.“
„Beeinträchtigungen durch Messe-, Gewerbe-, BUGA- oder Einkaufsverkehr hast Du hier nicht zu befürchten.“
„Natürlich wird es hier weiterführende Schulen geben.“
„Den Landschaftspark können Du und Deine Kinder natürlich jetzt schon nutzen.“
„Ein Fuß- und Radweg nach Trudering bietet auch Heute schon Anbindung an weitere Infrastruktur.“
und, und, und, ...

Aber hat sich das einer schriftlich geben lassen? - Nö !

Es hält sich aber trotzdem die Annahme, jeder könne hier mitgestalten.

Woher also kommen diese zahlreichen Enttäuschungen, haben sich die Menschen hier etwa selbst getäuscht.
Es scheint beinahe so, denn es wird sich wohl kaum ein Schuldiger finden lassen.

Es ist ein nicht seltenes Phänomen, dass sich euphorische Gemütszustände auf andere übertragen. So kann es natürlich sein, dass sich die schöpferische Energie der Planer, Entscheider, Architekten, Bauträger, anderer Goldgräber, usw., wie ein Schleier über die ersten Bewohnerinnen und Bewohner der Messestadt gelegt hat, und sich von allen gemeinsam getragen, über die Grenzen der Zeit hinweg, so auch über die neuen Interessenten legt.

Selbstverständlich sind es auch Einrichtungen wie Bewohnertreffs, Darstellungsveranstaltungen der Planer und Bauer oder das 'Beteiligungsprojekt' 'MessestadtRiem: Dialog', die zu dieser Atmosphäre beitragen.

Tatsächlich kommen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner 'veralbert' vor. Es sagen aber immer weniger, da sie von unverbesserlichen Realisten auf die Verhältnismäßigkeiten aufmerksam gemacht werden und so selbst feststellen müssen, dass sie eben nur 'geträumt' haben. Und wer ist schon gerne realitätsfremd ?!

Das ist dann ein Moment, in dem sich ein Mensch entweder dafür entscheidet alles laufen zu lassen, oder nachzufragen wie er Einfluss nehmen kann. Und da muß er oder sie feststellen, dass eine mögliche Einflussnahme, auch wenn sie von vielen getragen würde, meistens zu spät Früchte trüge.
So lassen dann auch die letzten von ihrem Begehren ab und wir alle tragen die Konsequenzen.

Wie diese Konsequenzen im Einzelfall aussehen, kann man sich entsprechend der näheren Umstände, mit den speziellen Fakten und etwas Phantasie schon beinahe errechnen.

Gibt es aber nicht doch eine Verantwortung ?!
Von der Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber einmal abgesehen.
Ja, die gibt es ! Leider aber zivil- und strafrechtlich nur bedingt verwertbar.

Beispiel: Wer von einem 'Profi' (Bauträger, Makler, ect) ein Haus kauft, darf guten Gewissens davon ausgehen, dass es uneingeschränkt nutzbar ist, es sei denn, es steht anders im Vertrag oder es sind Einschränkungen aufgeführt. 'Der gute Glaube'

Kann man dann nicht in der Blüte des Informationszeitalters davon ausgehen, dass in solchen Projekten, wie der Erschaffung eines ganzen Stadtviertels, alle den Menschen zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden Analysen, Untersuchungen und deren Ergebnisse genutzt werden? Und zwar nicht nur um das Ziel zu erreichen, sondern auch um einen optimalen Weg zu wählen?
Wir haben sogar ein Recht darauf!

Homogene Entwicklungsformen, Planungs- und Entstehungsabläufe sind heute wichtiger denn je, denn nicht nur die nutzbare Fläche wird weniger, sondern offensichtlich auch die Phantasie.

Das heißt, wir müssen in unseren Planungen immer der Veränderung Platz lassen.



Kommunikations-Koordination wäre hier wohl, wie überall auf der Welt, der erste Schritt um Missverständnisse und Fehler zukünftig zu reduzieren und das Phantom zu besiegen.

Uwe Knietsch